Galois-Erweiterungen

Ein Porträt von Évariste Galois (1811-1832).

Évariste Galois (1811-1832) war ein französischer Mathematiker. Er starb im Alter von nur 20 Jahren bei einem Duell, erlangte allerdings postum Anerkennung aufgrund seiner Arbeiten zur Lösung algebraischer Gleichungen, der so genannten Galoistheorie, die sich mit der Auflösung algebraischer Gleichungen mit Radikalen befasst.

Florent Schaffhauser, Algebra 1, Wintersemester 2025/26, Uni-Heidelberg (©2025, CC BY-SA 4.0).

Körpererweiterungen, die normal und separabel sind

Definition. Sei ein Körper. Eine Erweiterung von , die normal und separabel ist, heißt eine Galois-Erweiterung.

  • Zum Beispiel, für alles , wenn ein Zerfällungskörper für ist, dann ist eine Galois-Erweiterung von . Grund dafür ist: jede algebraische Erweiterung von separabel ist, und jeder Zerfällungskörper eine normale Erweiterung ist. Explizit können wir die Erweiterung oder betrachten.
  • Die Körpererweiterung ist ein Beispiel für eine Galois-Erweiterung, die keine endliche Erweiterung ist. Hier ist diese Erweiterung normal, weil jedes algebraisch über ist, und, da algebraisch abgeschlossen ist, das Minimalpolynom von in lineare Faktoren über zerfällt.

Die Galoisgruppe

Definition. Sei eine Galois-Erweiterung. Dann heißt die Gruppe aller -Automorphismen von die Galoisgruppe von . Diese Gruppe wird dann als bezeihnet.

  • Wenn ein Zerfällungskörper für ist, heißt die Galoisgruppe des Polynoms .
  • Galois' revolutionäre Intuition besteht darin, dass die Struktur dieser Gruppe Informationen über die Lösbarkeit der Gleichung enthält.
  • Er hatte diese Idee, obwohl der Begriff der Gruppe noch nicht definiert war.
  • Damals gab es keine solche Korrespondenz zwischen scheinbar unterschiedlichen Bereichen der Mathematik 🤯 .

Die Galoisgruppe einer endlichen Galois-Erweiterung

  • Sei eine endliche Körpererweiterung. Wir wissen bereits, dass höchstens eine endliche Anzahl von Elementen hat. Wenn Galois ist, können wir sogar sagen, was die Mächtigkeit von ist.

    Satz. Sei eine endliche Galois-Erweiterung. Dann ist eine endliche Gruppe, mit Ordnung (der Grad der Erweiterung).

  • Bemerkung. Da eine Teilmenge der Menge aller Funktionen von nach ist, bedeutet die Bedingung in , dass die folgende Bedingung gilt: in . Mit dieser Definition, kann man außerdem zeigen, dass die folgende Eigenschaft gilt: 🤨 .

  • Beweis des Satzes. Siehe unten.

Mächtigkeit der Galoisgruppe (Beweis)

  • Da per Annahme eine endliche separable Erweiterung von ist, existiert, dach dem Satz von primitiven Element, ein sodass .
  • Sei das Minimalpolynom von . Da normal ist, zerfällt in lineare Faktoren über . Außerdem hat keine mehrfache Wurzel in , weil separabel ist. Das heißt, die Menge aller Wurzeln von , die zu gehören, ist eine endliche Menge der Mächtigkeit .
  • In dieser Situation ist aber die Abbildung eine Bijektion. Da ist, und ist, ist eine endliche Gruppe mit Ordnung .

Fixpunktkörper

  • Sei ein Körper. Die Gruppe aller Ringhomomorphismen von nach sich selbst wird als bezeichnet.
  • Sei eine beliebige Untergruppe und betrachten wir die Fixpunktmenge

  • Da die Elemente von Ringhomomorphismen sind, ist ein Teilkörper von (Übung).
  • Später werden wir zeigen, dass, wenn eine endliche Gruppe ist, dann eine endliche Galois-Erweiterung ist, mit Galoisgruppe . Insbesondere gilt .
  • Zuerts betrachten wir aber die Situation, wobei eine feste endliche Galois-Erweiterung ist.

Fixpunkte der Galoisgruppe

  • Sei eine endliche Galois-Erweiterung. Die Galoisgruppe wird als bezeichnet.

  • Per Definition der -Automorphismen, gilt . Das heißt, gilt

    Tatsächlich gilt das für alle Körpererweiterung, mit . Für eine endliche Galois-Erweiterung gilt auch die umgekehrte Inklusion. Dies ergibt sich aus dem folgenden stärkeren Satz, weil .

    Satz. Sei eine endliche Galois-Erweiterung. Dann gilt die folgende Eigenschaft:

Die Fixpunkte der Galoisgruppe gehören zum Grundkörper (Beweis)

  • Wir möchten zeigen, dass gilt. Da entscheidbar ist, reicht es zu zeigen, dass . Dafür genügt es den vorherigen Satz zu beweisen.

  • Sei das Minimalpolynom von . Da , gilt . Da normal und separabel ist, hat mindestens eine Wurzel mit .

  • Da und , gibt es ein (eindeutiger) -Homomorphismus mit . Inbesondere gilt .

  • Da galoissch ist, können wir den -Homomorphismus zu einem -Homomorphismus fortsetzen, der unbedingt ein -Automorphismus von ist. Dann haben wir den folgenden Satz bewiesen.

    Satz. Sei eine endliche Galois-Erweiterung. Dann gilt .

Eine Abbildung, aus Zwischenerweiterungen nach Untergruppen

  • Sei eine Galois-Erweiterung und sei ihre Galoisgruppe.
  • Sei eine Zwischenerweiterung. Da jedes normal und separabel über ist, ist auch normal und separabel über . Das heißt, ist eine Galois-Erweiterung.
  • Da ist, ist die Galois-gruppe eine Untergruppe von . Daher haben wir die folgende Abbildung definiert:

  • Der Hauptsatz der Galois-Theorie behauptet, dass, wenn eine endliche Galois-Erweiterung ist, dann auch diese Abbildung eine Bijektion ist. Zuerst werden wir zeigen, dass injektiv ist. Die Abbildung wird oft die Galois-Korrespondenz genannt.

Injektivität der Galois-Korrespondenz

  • Die Idee für den Beweis der Injektivität von ist die folgende: Um die Eigenschaft zu beweisen, genügt es zu zeigen.

  • Dies bedeutet, dass wir eine Abbildung bauen, die eine Linkinverse zu ist. Das heißt, eine Abbildung mit . Später werden wir zeigen, dass auch gilt. Das heißt, ist auch eine Rechtsinverse. Der präzise Satz ist der folgende.

    Satz. Sei eine endliche Galois-Erweiterung und sei eine endlich-dimensionale Zwischenerweiterung. Dann gilt .

    Beweis. Nach der Konstruktion von , dass eine Galois-Erweiterung ist. Da endlich ist, folgt aus dem Satz über Fixpunten der Galoisgruppe, dass ist.

Normale Erweiterungen des Grundkörpers

Wir möchten zeigen, dass die Galois-theorie es uns erlaubt, die Eigenschaften der Zwischenerweiterung von in Eigenschaften der Untergruppe zu übersetzen.

Satz. Sei eine endliche Galois-Erweiterung und sei eine endlich-dimensional Zwischenerweiterung. Dann ist genau dann eine normale Erweiterung, wenn eine normale Untergruppe von ist. In diesem Fall gilt außerdem

Bemerkung. Da eine Zwischenerweiterung der separablen Erweiterung ist, ist separabel. Daher ist genau dann normal, wenn eine Galois-Erweiterung ist.

Zwischenerweiterungen, die normal sind

“ Nehmen wir an, dass eine normale Erweiterung ist und zeigen wir, dass eine normale Untergruppe ist.

  • Nach der Bermerkung ist Galois und wir werden die Automorphismengruppe dieser Erweiterung als bezeichnen.
  • Da normal ist, ist invariant unter allen Automorphismen . Das heißt, gilt und die induziert einen Gruppenhomomorphismus

    dessen Kern die Gruppe ist.
  • Es folgt daraus, dass eine normale Untergruppe von ist.

Die Galois-Gruppe einer normalen Zwischenerweiterung

  • In der obigen Situation (das heißt, wenn normal ist), können wir außerdem die Galoisgruppe bestimmen.
  • Es reicht zu zeigen, dass der Homomorphismus surjektiv ist. Da , folgt daraus, dass einen Gruppenisomorphismus induziert.
  • Um zu zeigen, dass surjektiv ist, nehmen wir . Da ist, kann als Element von angesehen werden. Da endlich-dimensional als -Vektorraum ist, und eine Zwischenerweiterung ist, ist endlich-dimensional und besitzt der -Homomorphismus eine Fortsetzung , die ein -Endomorphismus, somit auch ein -Automorphismus, von ist. Per Definition bedeutet dies, dass . Das heißt, ist surjektiv.

Zwischenerweiterungen, deren Galoisgruppe normal ist

“ Nehmen wir nun an, dass eine normale Untergruppe ist und zeigen wir, dass eine normale Erweiterung ist.

  • Da endlich-dimensional und normal ist, genügt es zu zeigen, dass , .
  • Die Annahme, dass eine normale Untergruppe von ist, bedeutet, dass . Gilt aber, per Definition, dass . Daher gilt .
  • Da und endliche Galois-Erweiterungen sind, folgt es daraus, dass .

Surjektivität der Galois-Korrespondenz

  • Wir möchten noch die Surjektivität der folgenden Abbildung zeigen.

  • Die Idee ist, eine inverse Abbildung zu konstruieren. Dazu werden wir die folgende Abbildung betrachten.

  • Wir haben bereits gesehen, dass ist (das heißt, und das war der Beweis für die Injektivität von ). Nun werden wir zeigen, dass auch gilt. Das heißt, dass ist.